Dienstag, 18. Dezember 2012

Klinikzeit Part 2

Es dauerte keine 4 Wochen, nachdem ich aus der KJP (Kinder-&Jugendpsychiatrie) entlassen wurde, und ich befand mich wieder in einer Klinik.
Da ich mein 18. Lebensjahr erreicht hatte war, nach eigener Aussage, die KJP nicht mehr für mich zuständig.
Dieses mal befand ich mich dann in der "normalen" Klinik für Erwachsene.
Ich war vorerst sehr skeptisch, weil ich dachte, dass die meisten Patienten vom Alter her meine Eltern sein könnten und ich so keinen Anschluss finden könnte und ich so eine sehr anstrengende und einsame Zeit vor mich habe.
Alles Unfug.
Ich kam auf ein Dreibettzimmer mit 2 anderen jungen "Männern" in ungefähr meinem Alter.
Besser hätte es nicht sein können. Wir haben uns super verstanden, Unfug getrieben und uns gegenseitig gestützt.
Es war ein großes Klinikgelände, was mich sehr einschüchterte, denn es war schon eine Angstübung an sich, dieses Gelände zu erkunden und es "für sich zu gewinnen" und sich dort wohl zu fühlen.
Ich hatte am ersten Tag direkt ein Gespräch mit meiner Therapeutin, die sich von mir erklären ließ, wie meine letzten Monate aussahen und warum ich nach ca 4 Monaten Aufenthalt in der KJP kaum Fortschritte gemacht habe.
Sie war entsetzt und erklärte mir, wie man es eigentlich hätte angehen müssen und fing auch direkt mit mir an.
Anfangs haben wir die Angstübungen zu zweit gemacht, damit ich ein gewisses Gefühl dafür bekomme, wie ich mit Angstsituationen, körperlichen Symptomen und mit meinen eigenen Gefühlen umgehen muss.
Außerdem diente das gemeinsame auch dem Zweck das Patienten-Therapeuten Verhältnis/Vertrauen zu stärken.
Wir fingen langsam an mit "einfachen" Übungen wie zum Beispiel Fahrstuhl fahren etc und steigerten uns langsam.
Auch das Pflegerpersonal war sehr nett, zuvorkommend und vertrauenswürdig.
Es war einfach so angenehm dort zu sein, Freiheiten zu haben und einen sogenannten Wochenplan (Wie nen Stundenplan in der Schule) zu bekommen und Tagesroutine zu gewinnen.
Das Umfeld, die Mitpatienten und die Therapie haben mich gestärkt. Sogar so sehr, dass ich anderen mit ähnlichen Problemen helfen konnte. Auch förderlich war die "Gruppentherapie", in der die Patienten die Themen selbst bestimmen und versuchen sich selbst und gegenseitig mit Tipps zur Seite zu stehen.
Das Prinzip "Eine Hand wäscht die andere" ist produktiv gewesen.
In diesen 6 Wochen war ich so motiviert, dass es sehr gut lief. Ich habe mit Freude an Angstübungen teilgenommen und sie selbst bestimmen können und auch gerne mal länger gemacht als eigentlich abgesprochen.
Leider waren die Abendstunden nicht die spannendsten, weswegen ich mich nach Hobbies ausschauen halten musste. Ich habe aus "Verzweiflung" sogar ein ganzes Buch gelesen und häkeln gelernt.
Mal ein schönerer Zeitvertreib als nur vorm PC zu sitzen (und sowas schreibe ich online...-.-).
Ich konnte wieder normal essen, trinken, busfahren und einkaufen. Zumindest für meine Verhältnisse.
Es war zwar nicht Angstfrei aber es war nicht mehr alles automatisch mit Aggressionen, Panik und Pessimismus gefüllt.
Es ging mir ein ganzes Jahr sehr gut.
Und dann kam der Einbruch.
Ich habe mich entschlossen meinen Realschulabschluss auf der Abendschule (Volkshochschule) in Wuppertal nachzuholen, was ein Jahr harte Arbeit bedeutete.
Und wie das dann auch so ist, war eine Klassen-/Kursfahrt geplant. Ziel: Paris...
Eine Stadt in einem Land, in dem ich die Sprache nicht spreche, verstehe oder auch nur irgendetwas weiß.
Das hat mich stark zurückgeworfen. ich verfiel in alte Verhaltensmuster.
Ich habe in den drei Tagen nur getrunken, weil ich wieder fürchterliche Angst hatte mich zu übergeben und dann hilflos im unbekannten Gebiet zu sein...
Mit dem einen "Sicherheitsverhalten" (Selbstschutz von Angstpatienten um den Worst Case vorzubereiten oder Panik zu verhindern) erschien wieder mein ganzes Verhaltensmuster.
Mit der Fahrt nach Paris nahm ich die Einfahrt in den Teufelskreis der Angst und war nicht mehr in der Lage mich selbstständig daraus zu befördern.
Also hieß es erneut Klinik. Dieses mal präventiv um nicht wieder völlig der Angst zu erliegen.
Dieses mal war der Aufenthalt nicht so angenehm wie beim ersten Mal.
Lag wahrscheinlich unter anderem auch an zu hohen Erwartungshaltungen aber auch an der Art und Weise der Station.
Meine Therapeutin war nicht mehr da und ich musste mich mit einer in der Ausbildung befindlichen Psychologin begnügen.
Jedoch wusste sie nicht ganz so viel über Angst und Panik und gab mir deswegen nur Papiermaterial wie ich mit Ängsten umgehen soll etc. Alles alte Geschichten, schon gesehen, schon gehört, schon erlebt.
Ich fühlte mich nicht sehr wohl. Es gab niemanden (bis auf eine Person...) der mir dort Halt oder Sicherheit geben konnte.
Von jedem Personalmitglied hörte ich den Satz "schon wieder hier?".
Ich habe ja auch "nur" ein Jahr ohne Hilfe ausgehalten <.<
Das Team wurde gröber und ging nicht mehr so intensiv auf die Patienten ein, wie im Jahr davor.
Einmal hatte ich nach dem Essen eine Panikattacke mit ganz neuen Symptomen, weswegen ich nur noch mehr Angst hatte und ich beinahe vollkommenen Realitätsverlust erlitt und in so einer Situation wurde ich mit den Worten "Sie kennen sich doch so gut mit angst aus, das schaffen Sie schon." weggeschickt und mir wurde gesagt, ich solle doch mal runter gehen und den Kräutergarten umgraben. WAS ZUR HÖLLE???
Das war für mich der ausschlaggebende Punkt, mich in der Woche darauf selbst zu entlassen.
Ich habe an diesem Punkt sämtliches Vertrauen in Therapie, Kliniken und Therapeuten verloren.
Der altbekannte Zorn und die Wut auf die Welt kamen wieder.
Ich habe mich gegen alles gesträubt, was mir von außerhalb "Hilfe" anbieten wollte.
Ambulante Verhaltenstherapie (0-8-15 Therapie bei Angststörungen) habe ich abgebrochen, Ergotherapie abgelehnt und selbst die Medikamente habe ich verwehrt.
Ich steckte mir eigene Ziele, die ich erreichen wollte und bestimmte das Tempo. Wenn mir jemand Tipps oder Vorschläge von außen geben wollte, gab es zu 90% eine Diskussion deswegen.
Ich schotterte mich ab und fühlte mich einsam. Ich wollte Hilfe aber nichts konnte man mir recht machen. Ich war ein lebendes Paradoxon.
Aber irgendwann lernte ich damit umzugehen und ließ mich dazu überreden wenigstens wieder die Medikamente zu nehmen.

Mein eigenes Fazit:
Ich kann Kliniken und Therapie nicht leiden und werde sowas auch nicht mehr beanspruchen, aber ich denke, dass es eine sehr gute Lösung für Menschen in großer Not und Verzweiflung sen kann und auch in Anspruch genommen werden sollte. Leider ist das aber nicht meine Lösung.

"Die Klinik ist für mich zwar kein schöner Ort an dem ich immer sein möchte aber sie ist eine rettende Insel" (Bella Aschoff  www.bella-luna-tic.blogspot.de)

Dienstag, 11. Dezember 2012

Klinikzeit Part 1

Je öfter ich darüber nachdenke, umso mehr bestätige ich mich selbst, dass mein erster Klinikaufenthalt für mich persönlich im therapeutischen Sinne Zeitverschwendung war. 
Man hat zu schnell versucht mich im voraus zu diagnostizieren und hat mich nach Schema "F" behandelt. 
Am Anfang hieß es, ich hätte eine normale Agoraphobie inklusive Panikstörung. 
Nur komisch, dass die therapeutischen Mittel bei mir nicht so fruchteten wie es die 0-8-15 Behandlung erwartete. 
So gingen die ersten Monate mit Schikane, Einsamkeit, Zorn und Konfrontation mit mir selbst um.
Ich habe gelernt zu misstrauen und Wut in mir handeln zu lassen.
Ich war nicht zufrieden mit mir, meiner Umgebung und meinem Leben. Suizidale Gedanken wurden mir unterstellt und wurden mit der Zeit immer attraktiver, da man mich für das "Versagen" einer Angstübung mit Isolation bestrafte.
Ich musste teilweise 6mal am Tag eine Strecke von 1.5km laufen um im Aldi eine Packung Kaffee für das Schwesternzimmer zu holen. Wenn ich mich schikaniert gefühlt habe und mich weigern wollte drohte man mir mit dem Rauswurf aus der Klinik und erwähnte im gleichen Atemzug, dass das meine eigene Chance wäre Gesund zu werden. 
Während der Angstübungen musste ich eine Art Protokoll ausfüllen. Die sogenannte "Angstkurve". 
Das Prinzip ist relativ einfach. Ich habe eine Tabelle mit % und Zeitangabe und muss von einer Skala von 0-100 minütlich in 10er Schritten die höhe meiner Momentanen Angsteinstufung einzeichnen, sodass später ein Kurvendiagramm entsteht. 
hier die grafische Darstellung:





















Sinn der Angstkurve ist es, dass der Patient, in dem Fall ich, ein besseres Verständnis für den Verlauf der Angst bekommt und sieht, wann die Angstübung vorbei ist. 
Die Aufgabe lautet in jedem Fall, die Situation erst dann zu verlassen, wenn die Angst geringer ist als am Anfang. 
Die Grafik stellt eine übliche und "optimale" Angskurve dar. 
Doch teilweise, begannen meine Situationen schon bei 20%, da dies eine Grundanspannung bei mir ist und die Angst auch nie geringer ist. Ich wache auf und habe Angst und fühle mich unsicher. Deswegen gingen die Angstübungen teilweise Stunden, weil die Angst nie unter den Anfangswert sank.
Oft habe ich mich mit meinem Therapeuten und den sogenannten PEDs (Pflege- & Erziehungsdienst) gestritten, weil es nicht zu deren Wünschen verlief. Ich vertraute ihnen weniger und sie mir auch nicht. Es ging soweit, dass ich Fotobeweise machen musste, damit die sehen, dass ich wirklich in den Läden war. Immer schön eine Tageszeitung mit Datum und Schlagzeile...
Wie schon erwähnt musste ich das teilweise 6 mal am Tag machen, wenn mein Therapeut es so wollte. Ich war am Ende meiner Kräfte und hatte zu nichts Kraft. Mein Tagesablauf sah so aus:

 6,00Uhr     Angstübung: in den angrenzenden Wald stellen und aushalten

 7,00Uhr     Frühstück und anschließend isolierte Zimmerzeit
 8,00Uhr     Klinikschule bis 11.30Úhr
11,30Uhr    isolierte Zimmerzeit
12,00Uhr    Mittagessen und anschließend isolierte Zimmerzeit
12,15Uhr    Angstübung: ALDI (Weg hin und zurück je 1,5km)
13,00Uhr    Angstübung durfte beendet werden, Rückweg zur Klinik isolierte Zimmerzeit
14,30Uhr    Angstübung: Bus fahren (je 20 Minuten hin und zurück)
15,00Uhr    isolierte Zimmerzeit
16,00Uhr    Zwischenmahlzeit wenn Hunger
16,15Uhr    isolierte Zimmerzeit
16,30Uhr    Angstübung: In die Caféteria des Hauptgebäudes und aushalten
17,30Uhr    Angstübung durfte beendet werden
17,35Uhr    isolierte Zimmerzeit
18,00Uhr    Abendessen
anschließend gab es 2 Optionen:
Entweder ich habe

a) Alle Angstübungen erfolgreich und zur Zufriedenheit des Teams beendet, dann durfte ich bis 21Uhr (22Uhr am Wochenende) in den Gruppenraum und mit den anderen reden und Fernsehen.
b) Eine oder mehrere Angstübungen sind nicht erfolgreich gewesen (früher abgebrochen) und sind nicht zur Zufriedenheit des Teams verlaufen, dann galt wieder isolierte Zimmerzeit.

Während der isolierten Zimmerzeit musste ich alleine in meinem Zimmer verbringen und durfte nur auf Toilette, wenn ich wirklich dringend musste. Man durfte nicht mit mir reden oder mich beschäftigen. Wenn ich duschen wollte, musste ich mir die "Gruppenzeit" verdienen und dann durfte ich in der Zeit duschen und mich rasieren.
Vorher war es nicht erlaubt.
Zwischendurch hatte ich jedoch spontan noch  einmal die Woche "Einzel-Ergo" und Gruppensport.

Ich fühlte mich eher als Häftling anstatt als Patient. 
Sobald mein 18.Geburtstag erreicht war, nahm ich mir das recht, selbst entscheiden zu dürfen, packte meine Sachen und bin raus aus der Klinik. Ich war nie glücklicher zu Hause zu sein und kann sagen, dass das mit die schwersten Monate meines Lebens waren...



Mittwoch, 5. Dezember 2012

Deutscher Sozialstaat und soziales Fangnetz..

AM ARSCH!
Ich bin diese Woche wieder in Wuppertal um beim Jobcenter Hartz4 zu beantragen um endgültig von zu Hause ausziehen zu können.
Erst musste ich Montag hin und 2 Stunden warten, damit der Kerl mir sagen kann, dass ich Mittwoch wiederkommen soll.
Dann war ich heute da und habe wieder nur 2 Termine für Montag und Dienstag bekommen. Aber selbstverständlich hat sich das erledigt als der werte Herr mich gerade eben anrief und mir zusicherte, dass ich keine staatlichen Gelder beziehen kann/nicht berechtigt bin, da meine Mutter ein sogenannter "Vollverdiener" ist, weil sie ganztags beschäftigt ist.
Und ohne weiteres darf ich nicht einfach von hier ausziehen. Selbst das muss ich beantragen, den Grund mit ärztlichem Attest hin bringen und dann wird geprüft ob es für das Jobcenter Grund genug ist um wirklich aus dem Elternhaus weg zu ziehen.
Das bedeutet:
Meine Eltern "müssten" für mich aufkommen.
Da meine Mutter aber der Meinung ist, dass sie das alleine nicht kann, bin ich auf meinen Vater im Ausland angewiesen... Ein sehr unangenehmer Gedanke...
Ich frage ungern um Geld. Ihn noch ungerner... Es ist eine schwere Belastung für mich diesen Schritt zu gehen aber ich muss es erstmal tun um meinen Genesungsprozess in Schwung zu bringen.
Ich hoffe, dass wenigstens das klappt.. Wenn mir diese Finanzierung nämlich dann zugesichert ist, kann ich zum 1.2.2013 wie geplant nach Paderborn ziehen und von dort aus nochmal zum Jobcenter gehen und das ganze nochmal attestiert und begründet neu beantragen.
Ich hoffe, dass es dann klappt..
Ich spreche von einer "elterlichen Unterstützung" von circa 2-3 Monaten bis die Anträge alle durch und bewilligt sind. Es ist ja nicht so, dass ich davon mehrere Jahre leben will. Das wäre mir zu unangenehm.
Aber erstmal ist das für mich die einzige Lösung irgendwie auf die Beine zu kommen und mein Leben in den Griff zu bekommen. Es sind "nur" insgesamt 500€ die ich im Monat zum Leben brauche. Auf's Minimum beschränkt und doch zufrieden. Ich will ja kein Luxusleben. Ich will einfach nur irgendein Leben, wo ich nicht ewig auf Mutti angewiesen bin.....

Sonntag, 25. November 2012

Berg- und Talfahrt

Wie eine Achterbahn geht es auf und ab und auf und ab und auf und... Ach ihr wisst schon. Meist lag es daran, dass ich anfing mich auf meinen Lorbeeren auszuruhen und alles nach und nach rückläufig wurde.
Dieses mal ist es anders. Ich bin aktiv, viel unterwegs und oft draußen. Sogar täglich mehrmals.
Ich gehe mit dem hund raus, bin einkaufen und auch wöchentliche Verabredungen. Dennoch werden meine Ängste und Panikattacken wieder mehr und stärker. Ich weiß nicht woran es genau liegt.
Teilweise werden meine Ängste schneller zu Panikattacken, weil ich sehr stark auf Hilfe von "außerhalb" abhängig bin. Also mein Hauptventil ist das Telefonieren. Das funktioniert aber nicht bei jedem.
Nur bei 2 oder 3 Personen. Personen, bei denen ich mich uneingeschränkt sicher fühle. Hauptsächlich ist meine erste Anlaufstelle meine Mutter.
Die hat aber zur Zeit vom Arzt ein sprechverbot ausgesprochen bekommen, da die Stimmbänder entzündet sind und sie sowieso nicht verständlich reden kann. Von der Lautstärke gleicht es dem piepsen einer Maus. Damit fällt Sicherheit weg und wenn ich ehrlich bin, fallen meine "Telefon-Notfallkontakte" auch schon weg. Ich verfüge auch nicht über ausreichend Courage, neues auszuprobieren, da ich dahingehend pessimistisch eingestellt bin und befürchte, es würde nicht helfen.
Demnach habe ich einfach Angst neues auszuprobieren. Ich weiß... Wer nicht wagt, der nicht gewinnt und diesen Unfug aber es ist nunmal nicht so einfach, wenn man sich ausmalt jeden Moment zu ersticken und daran zu sterben und dabei zu experimentieren...
Einige Ängste und Symptome sind mit der Zeit wieder verschwunden aber dafür werden die anderen stärker. Alles konzentriert sich gerade wieder verstärkt auf den Magen und den Hals.
Völlegefühl, Übelkeit, schluckhemmungen und würgereiz...
Wahrscheinlich ist es auch nicht gerade hilfreich, dass der Ex-Spast von meiner Freundin noch in der WG wohnt und uns mehrfach droht uns auf die Fresse zu hauen, uns vom Balkon zu schmeißen, hier Drogen bunkert und einnimmt und voll ausrastet. Die Polizei wurde deswegen schon gerufen aber die haben nur böse mit dem Finger gewackelt und sind gefahren obwohl er auf Bewährung ist... Selbst das mit den Drogen lässt die kalt und wird gekonnt ignoriert... Aber naja. Ich schweife ab. Ich bin gespannt wie es sich die nächsten Tage entwickelt und ob es sich bessert...

Mittwoch, 21. November 2012

Ein Hoch auf die deutschen Gesetze!

Heute war wieder einer dieser harten anstrengenden Tage.
Der Mitbewohner meiner Freundin ist wieder total ausgerastet. Wenn ich objektiv betrachte dann sogar total grundlos. Er hat sich tierisch darüber aufgeregt, dass wir bei ihm an die Zimmertür klopfen, wenn die KriPo, jemand von der Stadt wegen Schulden da ist, der Vermieter anruft weil die Miete fehlt oder der Vermieter da ist um ihn wegen fehlender Miete die Kündigung zu überreichen. Außerdem sei es von uns total dreist ihm die Post an die Tür zu bringen und damit nicht die Wohnung zu müllen, weil er die Post erst garnicht öffnen will. (Originalaussagen)
Er hat rumgeschrien, gegen die Tür geschlagen und uns allen Schläge angedroht. Da ich mir sowas nicht von einem vercrackten Junky nicht bieten lasse, habe ich die Polizei gerufen. Den Cops reicht es aber nicht, dass er auf Drogen ist, Drogen in seinem Zimmer bunkert, er vor 4 Tagen frühzeitig aus dem Zwangsentzug entlassen wurde, weil die Klinik ihn nicht länger haben wollte und er auf Bewährung ist. Er kam mit einer Verwarnung davon, weil wir ja immerhin schon erwachsen seien und es normal klären können. Also lebt meine Freundin nun tagtäglich mit der Angst, dass er wieder ausrastet und ihr eine scheppert und dann dürfen wir uns nicht mal wehren, weil die Polizei ja dafür zuständig ist...
Warum muss immer erst etwas passieren, damit die exekutive handelt? Sollte noch eine Warnung aus seinem nach Pot stinkenden Maul strömen, kassiert der ne Schelle, wie ich sie schon lange nicht mehr verteilt habe!

Samstag, 17. November 2012

Angst Tagebuch #027

Gestern Abend/Nacht durfte ich wieder mal einen der Höhepunkte der Angst/Panik "genießen".
Es fing alles ganz harmlos an. Wie jeden Freitag begab ich mich mit meiner Freundin zum sogenannten "Stammtisch" mit alten Freunden.
Wir hatten Spaß, haben Unfug gequatscht und hatten einfach einen schönen Abend. Doch dann merkte ich, wie mein Magen auf einmal sehr angespannt war. Wie es dann halt immer so ist, fokussierte ich mich gedanklich auf das Symptom und malte mir diverse Szenarien aus, wie die Bauchschmerzen zur Übelkeit werden bis ich mich übergeben muss.
Somit stand für mich also schon fest, dass dieser Abend kein gutes Ende nehmen wird.
Ich steigerte mich immer weiter in den Gedanken rein, bis es zu Panik wurde und ich nicht mehr Herr meiner Sinne war.
Der Mund war trocken, der Hals war kratzig, der Magen schmerzte, jeder Geruch war nur eine Qual für mich, weil es alles stank. Selbst der schönste Geruch, den man in dem Moment finden könnte, wäre für mich der widerwärtigste Gestank, welcher dazu führt, dass mir Übel wird.
Der Fluchtinstinkt in mir, zwang mich dazu, mich zu bewegen aber ich wusste nicht wohin. Ich lief orientierungslos von einer Ecke in die Andere.
Wohin kann man Flüchten wenn man selbst die Bedrohung in sich hat?
Diese Frage stellte ich mir heute. Bis jetzt kam ich noch auf keine Antwort, die ich für richtig halte.
Und um mich dem zu stellen bin ich einfach nicht bereit. Übelkeit und Erbrechen sind die schlimmsten Symptome, die zur Panik führen. Oder andersrum.
Ich mache zur Zeit auch einige Fehler dabei. Ich versuche mich durch Schmerzreiz in die Realität zu holen, damit ich nicht weiter gedanklich abdrifte. Es ist eine Lösung, die nicht gerade sehr gerne gesehen ist aber sie hilft mir ab und an.

Vorab: Ich ritze nicht oder anderen "gefährlichen" Kram. Bei mir ist es nur, dass ich mich mit der Hundebürste oberflächlich kratze um den Arm zu spüren und nicht die Übelkeit oder die Gedanken bewusst wahrnehme.

Ich lief also von Ecke zu Ecke, meine Beine zitterten wie Espenlaub und ich war unruhig, apathisch und Verzweifelt, da mir bewusst wurde, dass nur ich selbst diese Problematik lösen konnte, indem ich versuche mich zu beruhigen.
Leichter gesagt als getan... Als ich es gerade geschafft hatte kurz ruhig zu sein und mich hinzusetzen, meinte mein Hals Schluckhemmungen auszulösen und ich geriet von jetzt auf gleich wieder in Panik. Aber das konnte ich dann durch ein Telefonat mit meiner Mutter einigermaßen in den Griff kriegen.
Als es mir etwas besser ging haben wir uns entschlossen zurück nach Paderborn zu fahren um so schnell wie möglich zuhause zu sein.
Kaum saß ich im Auto fing ich wieder an zu zittern und nahm meine Umwelt anders wahr. Der Lüfter schrie mich an, der Aschenbecher des Autos schien nur in meine Richtung zu stinken aber dafür mit dreifacher Stärke. Wir fuhren dennoch los und waren gerade 5 Minuten unterwegs, dann ging es wieder richtig los.
Muskelspasmen, Brechreizgefühle,und alle anderen Freunde der Angst wie Desorientierung, Schwindel und Druck auf der Brust/Kurzatmigkeit.
Wir mussten die Autofahrt abbrechen, weil ich sonst aus dem fahrenden Auto gesprungen wäre...
Ich fühlte mich absolut nicht sicher an dem Ort (Feldweg). Ich bin zwischen Dreck, Gras, Wegen und Ungeziefer. Keine feste Adresse zu der man Hilfe beordern kann, wenn welche von Nöten sein wird.
Ich kann mich nicht beschreiben und obwohl Arthur Sanitäter ist, war er in dem Moment nicht sehr hilfreich, da er ziemlich betrunken war und kaum wusste, was er dachte. Aber er hat versucht mich zu beruhigen und mich abzulenken und dafür bin ich alleine schon dankbar.
Meine Freundin drehte um und wir sind wieder schnell zu Philipp (Host des Stammtisches).
Dort verbrachten wir dann weitere 1/2 Stunden mit Höhen und Tiefen der Angst und Panik.
Wenn es nach mir ginge hätte ich da auch noch geschlafen aber wir mussten noch Arthur, Lara und Jacky nach Hause bringen. Also ließ ich mich dazu "überreden", dass ich mich versuche zusammenzureißen und wir schnell den Weg bis nach Paderborn hinter uns bringen. Mittlerweile war es halb 4 und ich war so müde, dass ich im Stehen hätte einschlafen können, wenn mein Körper mich gelassen hätte.
Wir brachten also die anderen nach Hause und kamen dann auch bei uns an.
Sämtliche Unterdrückung der Angst löste sich, sobald wir im Schlafzimmer waren. Ich nahm präventiv eine Tavor um überhaupt schlafen zu können. Doch sobald die Tablette aufgelöst war, kam die unterdrückte Angst mit all seiner Kraft wieder und haute mir mit der Schaufel direkt in's Gesicht und verpasste mir die volle Palette an Symptomen.
Ich war so verzweifelt dass ich im Zimmer hin und her rannte. Ich hatte mich einfach nicht unter Kontrolle...
Ich war so geistesabwesend, dass ich die Hundebürste nahm und so fest wie ich konnte den Kopf kratzte, als das nicht ausreichte, war ich so panisch, dass das Gesicht dran glauben musste. Es ist nicht richtig aber ich habe in dem Moment auch nicht nachgedacht und einfach gehandelt.
Ich konnte mich nicht auf den Beinen halten und stützte mich gegen die Wand. Doch die Panik ließ nicht locker und verpasste mir immer weitere Seitenhiebe. Immer wieder simulierte mein Körper mir, dass ich mich übergeben muss.
Gott sei dank hatte ich die Tavor vorher genommen und da die Panik so stark war, war mein Körper auch einfach zu erschöpft um diese Anstrengung aufrecht zu halten.
Ich legte mich dann um circa halb 5 dann endlich in's Bett und versuchte zu schlafen.
Leider war die Nacht um 10 dann schon vorbei und ich bis jetzt noch sehr gerädert und müde. Einfach vorbelastet.. Ich hoffe, dass ich das nicht so bald wieder durch machen muss...

Montag, 12. November 2012

(\/)(;,,,;)(\/) woop woop woop

Nach der anstrengenden kurzen schwierigen Episode geht es mir jetzt wieder richtig gut. Die Medikamente werden wieder regelmäßig genommen und ich esse regelmäßiger und ausgewogener. Die Magenprobleme sind weniger geworden und folglich auch die Paniken.
Jedoch bedeutet das nicht, dass es nicht mehr vorkommt. Es ist einfach so, dass ich die Ängste und Paniken besser aushalten und kontrollieren kann.
Es kommt zwar zwischendurch noch vor, dass ich es nicht in der Hand habe aber es ist schon wesentlich besser geworden. Ich scheine mich, was das angeht, im Kreis zu drehen.
Es ist immer wieder das gleiche Muster...
Es geht mir eine Zeit lang sehr gut und dann vergesse ich einfach die Medis zu nehmen und nach ner Woche denke ich mir "Jetzt brauchst du auch nicht mehr..."
Nach 3 Wochen merke ich dann, dass es mir schlechter geht und will mir nicht eingestehen, dass es an den Medikamenten liegt...
Deswegen habe ich auch das Gefühl, dass es mir gerade sehr sehr gut geht aber ich habe nicht das Gefühl, dass es noch besser werden kann oder ich mich steigern kann. Ich denke, dass mein "Genesungsprozess" auf diesem Standpunkt stagniert.
Ich hoffe, dass ich auch in den nächsten Tagen wieder mehr Stoff zum Schreiben und ihr mehr zu lesen bekommt ;)