Samstag, 16. März 2013

Angehörigen-Post (Wie erlebe ich die Krankheit aus meiner Sicht?) 3/4


Hallo liebe Leser,
ich bin Mikes Freundin Tiffy, ich bin seit dem 16.06.2012 mit ihm zusammen. Seitdem habe ich schon einige Hochs und Tiefs mit ihm durchlebt. Einige waren relativ gut und „leicht“ zu überwinden andere haben mich, sowie auch ihn viel Kraft und Ausdauer gekostet. Aber ich werde erst einmal von Anfang an von meiner Zeit mit ihm berichten.

Sein Bruder ist schon seit einigen Jahren mit meiner Cousine verheiratet, demnach kennt man sich vom Sehen und Erzählen her schon etwas länger (so habe ich dann auch zum ersten Mal davon erfahren, dass er psychisch nicht ganz auf der Höhe ist) aber so richtig kennen gelernt haben wir uns erst im März 2012, bei dem Umzug seines Bruders und meiner Cousine. Die ersten richtigen „Gespräche“ kamen zwischen uns zustande als wir das Hochbett unseres Neffen zusammen bauten. Anfangs waren es nur doofe Kommentare und witziges Geplänkel zwischen uns und uns fiel von vornherein auf, dass wir in Sachen Humor wohl doch schon auf der selben Wellenlänge sind.
Am Ende des Tages haben meine Cousine, Mike und ich uns zusammengesetzt und ein wenig über seine Krankheit gesprochen. Da ich an einer mittelstarken bis starken Depression gekoppelt mit einer Angststörung leide, weiß ich sehr gut, wie er sich in Angstsituationen und Panikanfällen fühlt und was er durch macht. So war das Eis in dem Thema dann auch nicht mehr ganz so hart zu brechen.

Nach dem Umzug war dann eine Weile erst einmal komplette Funkstille zwischen uns. Durch einen doofen Post von mir bei Facebook haben wir den Kontakt wieder aufgenommen und beschlossen, dass ich ihn auf jeden Fall mal in Wuppertal besuchen kommen sollte. Wir haben die ganze Nacht so gut wie durchgeschrieben und sind dann spontan auf die Idee gekommen das am nächsten Tag doch gleich zu machen. Gesagt getan, Mike hat mit seinen Eltern dann seinen Bruder und meine Cousine Besucht und mich dann auf dem Rückweg mit nach Wuppertal genommen. Wir haben uns einige Filme angeschaut und die Stimmung war sehr befremdlich. In der Zeit in der wir Filme schauten, habe ich dann auch das erste Mal bewusst eine leichte Panik von ihm mitbekommen. Da ihm das aber unangenehm vor mir war, hatte er diese auch wieder schnell im Griff.
Diese Treffen haben sich von Wochenende zu Wochenende gehangelt, bis ich mich dann von meinem damaligen Freund getrennt habe, mit dem ich in einer WG zusammen wohnte. Dann kam ich auch unter der Woche und blieb meist bis Sonntag gleich. In der Zeit war auch ein guter Freund von Mike für einige Wochen da (Fia = der zweite Gastpost) mit dem ich mich sehr gut verstand.
In der Zeit häuften sich die Panikattacken von Mike und ich gab mein bestes ihn dadurch zu begleiten. Dadurch festigte sich das Vertrauen und ich wurde zu einer festen Bezugsperson für ihn, gerade auch in solch schwierigen Situationen. Oft hat er mir per Handy geschrieben wenn es ihm schlecht ging, wenn es jedoch gar nicht mehr ging bekam ich dann auch Anrufe von ihm wo ich ihm dann viel Mut zugesprochen habe und versuchte ihn zu beruhigen und mit irgendwelchen doofen Storys aus meinem Leben von der ganzen Panik abzulenken. Das hat überraschenderweise oft sehr gut geklappt.

Nachdem er sich dann von seiner Langjährigen Freundin getrennt hatte und somit eine wichtige Bezugsperson verlor, kam ich immer mehr ins Spiel und letztendlich sind wir dann auch zusammen gekommen. Von nun an war ich komplett in seinem Leben involviert, habe meine ganze Freizeit bei ihm in Wuppertal verbracht.
Anfangs kam ich noch sehr gut mit seinen Panikattacken zurecht, ich bin einmal am Tag eine große Runde mit ihm und dem Hund Janka gegangen, sodass er auch mal etwas anderes sieht außer seinem Zimmer, der Wohnung und dem Garten. Janka genoss diese Zeit sichtlich, sie wurde immer zutraulicher und rastete beim Spielen mit Mike regelrecht aus. Ich achtete penibel darauf, dass er seine Medikamente nimmt, er sträubte sich sehr dagegen. Ich musste ihn immer und immer wieder dazu überreden sie zu nehmen und habe ihm dann auch mehr Mals klar machen müssen das ich noch lange nicht wieder so gut zurecht wäre wenn ich damals die Medikamente nicht genommen hätte. Er hat es trotzdem immer wieder auf die lange Bahn geschoben und ich habe ihn mehrmals Täglich daran erinnern müssen, bis es dann nach einigen Wochen einigermaßen lief. Nach der Medikamenteneinstellung ging es ihm dann auch langsam besser. Wir konnten zusammen in die Stadt gehen, wenn auch nur kurz und mit seiner Mutter, oder mal etwas länger mit dem Hund rausgehen. Er hat mehr und regelmäßiger essen können, so hat er dann auch einige Kilos mehr auf die Rippen bekommen und sah äußerlich nicht mehr so abgemagert und krank aus. Durch diese Besserungen in seinem Leben sah ich dann auch, dass ich bis hier soweit vieles richtig gemacht hatte. Die richtige Mischung von „Zuckerbrot und Peitsche“ hat es dann wohl doch gemacht. Auch von seinen Eltern bekam ich oft zu hören, dass ich Mike sehr viel helfe und eine wirkliche Unterstützung für ihn bin.
Weil das ganze so gut geklappt hat, haben Mike und ich uns überlegt, dass er mal für eine Nacht mit mir nach Paderborn kommt. Natürlich haben wir uns alle Möglichkeiten offen gehalten falls es nicht klappen sollte. Seine Mutter stand die Nacht lang in den Startlöchern falls er anruft und sagt, dass es nicht geht. Es hat überraschenderweise sehr gut funktioniert, was mich sehr gefreut hat. Mike war dem gegenüber nicht ganz so glücklich, weil er immer noch auf den „Vernichtenden Schlag namens Panikattacke“ gewartet hatte.
Das ganze haben wir dann nach einigen Wochen wiederholt und im Herbst 2012 hat er seine Sachen gepackt und ist für einige Wochen bei mir geblieben. Von dem „Wir probieren es mal aus“ ist etwas Festes geworden und sobald meine jetzige Mitbewohnerin auszieht, zieht Mike offiziell nach Paderborn in meine WG. Mit dem raschen Auszug von Zuhause hat keiner gerechnet, nicht einmal Mike selbst.
In der Eingewöhnungsphase hier in Paderborn ging es dann Phasenweise mit seinen Panikattacken und Angstzuständen richtig zur Sache. Er fing wieder an seine Medikamente unregelmäßiger zunehmen, bis er schlussendlich keine mehr genommen hat. Da ihm die Tabletten wie Steine im Magen lagen und ihm schlecht davon geworden ist, konnten diese auch nicht wirklich zu seiner Genesung beitragen.
Zwischenzeitlich ist mein Exfreund, der noch mit in der WG wohnte, mehrere Male ausgerastet, hat uns mit Schlägen gedroht und, dass er uns vom Balkon schubsen will und solche Sachen. Solche Situationen haben Mike natürlich stückweise aus der Bahn geworfen. Seine Panikanfälle wurden immer schlimmer, haben länger angedauert und wurden häufiger. Das war dann eine auch eine Zeit in der mich die Panikattacken und die ständige Angst sehr angestrengt haben, teilweise waren sie auch schon fast nervig. Egal was und wann es Anstand, er hat sofort mit Angst und Magenschmerzen reagiert. Anfangs habe ich noch sehr viel Rücksicht darauf genommen doch später habe ich mir gedacht, dass ich weder ihm noch mir einen Gefallen damit tue. Also kleine Aktivitäten, wie allein mit Janka vor die Tür gehen oder einen kurzen Einkauf im Netto, der sich direkt vor der Haustür befindet, gehörten dazu um ihn wieder ans „normale“ Tagesgeschehen heranzubringen.

Nach einer langen Weile des Stresses und der krassen Launen meines Exfreundes, durfte dann auch ich wieder Medikamente nehmen. Ich bekam „Cipralex Tropfen“ und nach einigen Tagen habe ich mir gedacht „Hey das wäre dann doch was für Mike, keine Tabletten die schwer im Magen liegen oder im Hals steckenbleiben könnten“ also schlug ich ihm das vor. Anfangs war er nicht sehr angetan von der Sache, weil er schon einmal Tropfen bekommen hatte und diese seinen Hals betäubten und er dadurch Panik bekam. Ich habe dann mit ihm gesprochen und gemeint, dass es dadurch aber „nur“ kurz einmal schlimm wäre und er nicht den ganzen Tag mit Angst herum laufen muss. Bei dem nächsten Termin mit seinem Psychiater sprach er das mit den Tropfen an. Er fand den Vorschlag nicht schlecht und schrieb Mike gleich 2 Fläschchen von den Tropfen auf.
Mike nahm diese erst einmal mit großer Beobachtung auf seinen Körper ein, als er jedoch bemerkte das nichts passiert, fiel es ihm gar nicht mehr so schwer die Tropfen zu nehmen. Er nimmt sie jetzt sogar freiwillig und schon fast gerne (naja so gerne wie man Medikamente halt nimmt) und seine Angst und Panik wird weniger, klar halte ich ihn immer noch zurück sich den Bauch bis zur Besinnung voll zu schlagen, jedoch kann er jetzt schon einiges mehr essen als vorher. Der bekloppte Exfreund ist nun auch endlich ausgezogen und es kehrt Ruhe und Ordnung in den Haushalt. Mike ist auf einem guten Weg der Besserung und schafft es auch einige Stunden und auch mal spontan alleine Zuhause zu bleiben.



Montag, 11. März 2013

Angehörigen-Post (Wie erlebe ich die Krankheit aus meiner Sicht?) 2/4


Hi meine Lieben,
ich bin Mama Fia, aber ihr dürft mich auch Tappy nennen.
Mike hat mich gefragt ob ich ein Gastschreiben für seinen Blog schreibe und ich habe mir Gedacht wieso nicht.
Mike und ich haben uns durch ein OnlineGame kennen gelernt und zu Anfang war es nicht sehr leicht  aber man lernte sich dann immer besser kennen und verbrachte viele Abende im Teamspeak und redete von frühen Abend bis zum frühen Morgen.
Wie das ist mit der Zeit wuchs auch das vertrauen, auch wenn man sich immer noch nicht persönlich kannte und so erfuhr ich das erste mal von Mike´s Krankheit. Als alles anfing saßen wir oft Nächtelang am PC und machten uns gemeinsam schlau was es sein könnte, was man dagegen machen kann aber leider kamen wir nicht auf den Richtigen Weg, also kam es dazu das Mike das erste mal in die Klinik musste.
Ab und an hörte man dann von einander und man machte sich so seine Gedanken. Als Mike dann das erste mal aus der Klinik raus war, hatte er Gemeinsam mit Zwei freunden eine Woche Zocken bei sich veranstaltet wo ich dann einfach so frech war und fragte ob ich auch mal kommen darf.
Zu Anfang war es gar nicht leicht, weil erstens liegen ein Paar Jahre Altersunterschied zwischen uns und hinzu kommt auch noch, dass ich halt Homosexuell bin und die drei dann ein klein wenig Panik hatten und nicht wussten wie sie eigentlich damit umgehen sollen (mich hatte es eigentlich ein wenig amüsiert die ersten Stunden).
Also fuhr ich damals dann nach Wuppertal und wurde am Bahnhof von seinem Bruder abgeholt weil die drei erst mal voll verpennt haben  
Ok, also kamen wir dann bei Ihnen an und Mike hatte genau in dem Moment ein Panikschub, im ersten Moment dachte ich mir nur so „Liegt das jetzt an dir“ „ Hat er Panik vor dir“ „War es vielleicht doch nicht eine so gute Idee“
Nach einer gewissen Zeit ging es dann wieder und langsam wurde man dann warm. Ich kann euch noch einiges über dieses Wochenende erzählen aber darum geht es ja hier nicht.
Aber gut ich will euch hier eigentlich nicht schreiben was wir alles erlebt haben aber ich dachte, dass es schon sinnvoll ist, dass ihr wisst wie wir uns kennen gelernt haben.
Kommen wir zum eigentlichen, wie erlebe ich die Krankheit von außerhalb mit.
Ich muss ehrlich sagen zum Anfang hatte man das Gefühl, dass er Aufmerksamkeit braucht und dass er sich hinter dem ganzen auch versteckt und ja manchmal hatte ich auch das Gefühl, dass er sich darauf ausruht, immerhin hatte er ja alles was man braucht.
Doch mit der Zeit lernte man immer mehr von der Krankheit nach dem man erfuhr was es ist. Ich las mich schlau und machte mir einen großen Kopf darum um ihn egal in welcher Situation unterstützen zu können. Was für mich persönlich sehr schwer ist, das ich am liebsten immer für ihn da bin aber ich denke das er die schwäche die er in einem Schub verspürt ungern preisgibt und sich nur an wenige Menschen dann wenden kann und auch wenn wir uns mittlerweile eine halbes Jahrzehnt kennen, hat er nicht in jeder Situation das Vertrauen sich mir anzuvertrauen.
Ganz besonders gemerkt hat man es als ich mal für einen Monat bei ihm war, er wollte stark sein und hat auch alles dafür getan das man nicht mitbekommt, wie es ihm gerade geht, aber es gab da schon fast ein Ritual wie er es gemacht hat wenn mal wieder einer dieser Schübe kam. Erst geht er schritte durchs Zimmer tut so als würde er was suchen, dann versucht er unauffällig seine Tabletten zu packen und musste dann auf Toilette. Ich kann ihn verstehen, denn immer hin ist er ein „Mann“, und diese dürfen ja keine Schwäche zeigen, aber darum geht es dann nicht, was Mike glaube ich in diesen Situationen nie bedenkt ist, wie hilflos man sich fühlt wenn man das mitbekommt und trotzdem nichts tun kann weil man entweder ihm dann auf den Schlips tritt oder er es einfach abstreitet und dann lieber für sich ist.
Aber als ich dann merken durfte, dass er mir doch irgendwie vertraut war Nachts beim schlafen. Ich weiß Mike wird die Augen verdrehen, wenn er das liest aber Nachts, wenn man merkte das Mike unruhig schlief und es ihm im Schlaf überkam, griff er öfters mal nach meiner Hand, einfach nur um gehalten zu werden damit er weiß, dass er nicht alleine ist, als ich ihm das erste mal davon erzählte schaute er mich ganz entgeistert an, aber es kam immer wieder vor. Nebenbei noch erwähnt, meinte er immer, er sei ein kleiner Homophob aber ich glaube das hatte er da auch schon überwunden ^__^
Was ich auch ganz ehrlich sagen muss, und ich hoffe das sich NIEMAND nun angegriffen fühlt, ist einfach der Zustand, der während der Krankheit herrschte, dass er selber auch noch eine Freundin hatte, die selber Probleme mit einer Krankheit hatte.
Beide wollten sich immer gegenseitig helfen und für den anderen da sein und ja vielleicht kann es gut gehen, aber ich sehe es so, dass die beiden sich leider eher im Weg standen, weil man muss erst mit sich selbst im reinen sein, bevor man anderen helfen kann und auch wenn teilweise beide dem anderen schritte voraus waren im Endeffekt standen sie sich beide im Weg und der Beweis ist leider die Trennung und eine neue Liebe auch wenn diese wieder ähnlich ist mit beidseitiger Vorbelastung, doch die Neue Liebe war um einiges weiter schon, lebte schon siegreich über der Krankheit in Selbstständigkeit und alles.
Im ganzen kann man sagen bevor ich hier noch weiter ausschweife ist, es ist bestimmt kein leichtes Leben was Mike führt und ich will um Gotteswillen nicht mit ihm tauschen müssen, aber das beste was man für ihn tun kann ist einfach immer für ihn da sein wenn er sich dir dann mal öffnet, wenn er dann wirklich mal kommt, „Ich brauch dich jetzt“ dann versucht alles ihm die Hilfe zu geben die er braucht, denn das ist das einzige was wir als Freunde für ihn machen können. Denn eine Freundschaft die über die Liebe geht und genauso viel Wert ist wie das eigene Leben, ist in vielen Fällen eine bessere Medizin wie das beste Antibiotikum oder Penicillin was man bekommen kann.
Ich bin ehrlich auch wenn Mike und ich viele Berg und Tal Fahrten hatten und ich manchmal ihm am liebsten mal Umgehauen hätte, mir fallen bestimmt auf die schnelle mind. 3 Situationen ein und ich denke dir auch wenn du das nun liest, muss ich sagen das ich ihn nie wieder Missen möchte, er ist für mich wie ein kleiner Bruder geworden der für immer ein Platz in meinem Herzen hat und er kann immer wenn es mir möglich ist mit meiner Hilfe rechnen!!

Freitag, 8. März 2013

Angehörigen-Post (Wie erlebe ich die Krankheit aus meiner Sicht?) 1/4

Vorab:
Aufgrund der Umfrage war ja ziemlich schnell klar, dass hier bald ein paar Gastschreiben erscheinen werden.
Ich habe mir 4 Personen ausgesucht, die so ziemlich die gesamte Zeitspanne meiner Krankheit von Anfang an bis heute abdecken.
Stellt euch den Zeitverlauf meiner Krankheit als ein Jahr vor und jeder der Gast-Schreiber ist eine Jahreszeit. So begleiten sie mich ungefähr Stück für Stück.
Ich möchte die Posts in der Reihenfolge veröffentlichen, in der die Personen bei mir waren und welchen Zeitverlauf sie mitbekommen haben.
Sämtliche Posts sind unbearbeitet und ich bin nicht verantwortlich für den Inhalt, die Wortwahl oder sonstiges. (Außer korrigierte Rechtschreibfehler :P)
Hier nun zum ersten Post:

So, aufgrund der Bitte von Mike, ein Gastschreiben zu verfassen, habe ich mich mal drangesetzt.
Erstmal zu mir, ich bin Markus, inzwischen 21 Jahre alt und ein sehr guter Freund von Mike.
Wir waren beide zusammen auf einer Schule (Parallelklasse), seit – lasst mich lügen – guten 6-7 Jahren befreundet.
Wo dann die ersten Anzeichen seiner Krankheit anfingen habe ich das überhaupt nicht verstanden, so wie jeder andere auch.
Im Prinzip kann man sagen, ich war von Anfang an dabei, habe am ersten Tag der Krankheit auch seinen Bruder angerufen, damit er ihn ins Krankenhaus fahren kann.
Nach einigen Wochen, gar Monate Stress, konnte immer noch keiner sagen, woher das kommt oder was diese Anfälle sind. Ich glaube so ziemlich jeder Arzt und Krankenhaus wurde in der Umgebung aufgesucht, doch keiner wusste weiter.
Nach einer Zeit (ich kann mich nicht mehr genau erinnern), kam dann die Diagnose: Agoraphobie. Wo Mike es erzählte fing jeder an „ich kann dich verstehen, das tut mir leid – wie auch immer“.
Ich wusste überhaupt nicht was das war, hatte mit so etwas so ziemlich nichts zu tun gehabt. Aber auch wenn ich dann wusste, worum es geht, verstand ich trotzdem nicht, warum?
Ich glaube die Frage stellen sich heute immer noch viele. Warum trifft es ausgerechnet Mike? Daher muss ich auch sagen, habe ich viel Abstand von dieser Krankheit genommen.
Ich wusste nicht, wie ich helfen könnte, wenn Hilfe benötigt wird. Zum Anfang war ich innerhalb einer Minute bei Mike, wenn es ihm schlecht ging und er mich anrief.
Im Nachhinein war ich da und wir haben über Gott und die Welt gelabert, damit es zur Ablenkung kommt. Ein Satz von Mike „Und wenn du mir ins Gesicht schlägst – hauptsache ich hab Ablenkung“ Naja, dazu ist es nie gekommen.
Mit der Zeit kam dann der Umzug nach  Wuppertal, für uns teilweise ein Weltuntergang. Danach war nichts wirklich wie vorher. Doch mit der Zeit ging es Mike sogar in Wuppertal besser.
Ich freute mich auch darüber, auch wenn er nicht mehr im Dorf war,  Hauptsache es geht ihm gut. Trotzdem gab es so einige Besuche, da kam ich an meine Grenzen.
Seine Eltern waren nicht da, ich war praktisch der einzige, der ihm helfen konnte. Dann kam eine Panikattacke und ich stand da wie erstarrt.
Was soll ich tun? Reden? Was zu trinken anbieten? Wärmflasche machen? Gegen eine Tür laufen, damit er lachen muss? – Keine Ahnung. Ich bin so jemand, der nur auf Tatsachen reagieren kann.
Du Blutest – bekommst ein Pflaster (klar, wenn ein Arm ab ist, ist nichts mehr mit Pflaster, aber ihr versteht). Doch wie soll man bei so etwas reagieren?
Das große Pflaster war dann in der Regel eine Wärmflasche und ein Telefonat mit der Mutter. Mir war es aber trotzdem unangenehm, daneben zu sitzen und nichts zu machen. Ich wollte helfen. Doch einfach war es nicht.
Mike hatte von meinen Problemen mit dieser Phobie mitbekommen und redete auch mit mir. Er verstand, dass ich nicht wirklich eine gute Hilfe bin (nehme ich auch wirklich nicht übel).
Manchmal probierte er ja auch, mich anzuschreiben, wenn er Panik bekommt. Zwischendurch ging es ganz gut, aber naja, ich weiß nicht wie es auf der anderen Seite ausgehen hat.
Es folgten dann weitere Klinikaufenthalte, in denen Mike auch wirklich geholfen wurde. Sichtbar ging es ihm besser und es war auch kein Problem, dass er mal ein Wochenende bei mir pennen konnte.
Doch soweit ich mich erinnere, war das die Kinder- und Jugendpsychiatrie. Dann kam er in die Erwachsenen-Klinik und es wurde schlimmer (weiteres ist ja auf dem Blog zu lesen).
Da stand ich wieder in dem Konflikt, helfen zu wollen, doch keine Ahnung wie.
Es kam dann auch eine Freundin dazu, in der Psychiatrie kennengelernt (ich hoffe ich erinnere mich richtig). Naja, stempeln wir es einfach mal unter „Erledigt“ ab und fassen zusammen:
Mike ging es in der Zeit auch schon besser, trotzdem hatte er mit schweren Rücksschlägen zu kämpfen. Doch es ging weiter.
Dann kam die neue Freundin, mit der er jetzt in Paderborn wohnt. Ich finde es klasse, dass er eine Person gefunden hat, bei der es ihm gut geht.
Sie weiß auch wirklich, was bei  einer Panikattacke zu tun ist. Und mir wurde da bewusst, dass Mike auf einem guten Weg ist. Früher hat ihn nur seine Mutter beruhigen können, jetzt kommt er soweit selbständig oder mit Hilfe der Freundin aus.
Im Großen und Ganzen kann ich glaube ich ehrlich sagen, für Mike war meine größte Hilfe, einfach nur weiter mit ihm befreundet zu sein. Seine Krankheit mal ganz außen vor, ich glaube der Umzug nach Wuppertal war ziemlich heftig – für uns alle.

Montag, 25. Februar 2013

Angst Tagebuch #028

Mir ist übel.
Ein häufiges Gefühl. Doch dieses mal ist es anders. Mein Magen fühlt sich seltsam an und ich habe einen sauren Geschmack auf der Zunge.
Fast so, wie ein Energy Drink.
Ich werde Paranoid und gewisse Verhaltensmuster werden deutlich.
Der Zwang nach intaktem Handynetz (Empfang) ist gewaltig. Da wo ich keinen Empfang habe, darf ich nicht stehen, sitzen oder liegen.
Ich habe Angst mich zu übergeben.
Da es schon spät ist, liege ich im bett. Aber ich muss den Oberkörper hoch legen, damit ich in einer Notsituation schnell reagieren kann und mich nicht orientieren muss.
Ich liege in der stabilen Seitenlage um im schlimmsten Fall ideal zu liegen und so wenig Zeit verschwende wie möglich. Möglichst alles präventiv vorbereiten damit niemand auch nur einen Handgriff machen muss, den man umgehen könnte.
Alles ist ganz genau geplant. Bis in's kleinste Detail.
Die Gewissheit den Super-GAU vorbereitet zu haben und dem etwas entgegensetzen zu können ist das einzige, was mich gerade nicht in Panik verfallen lässt und mir die Kontrolle über mich selbst gewährt.
Das einzige was mich fast in den Wahnsinn treibt ist die Überempfindlichkeit meines Magens, sodass ich merke, wie der Inhalt liegt und wonach es schmeckt.
Ich kann durch die Art des Schmerzes und des Geschmacks IMMER genau feststellen, was mir gerade die Schmerzen und Übelkeit bereitet.
Dieses mal ist es höchstwahrscheinlich die Gesamtsituation gepaart mit Energy und Nüssen, die mir den Magen verkrampft...
Ich habe Angst!

P.S.: Die Ergebnisse der Umfrage ergeben, dass demnächst 4 Gastschreiben veröffentlicht werden.

Sonntag, 17. Februar 2013

Vote or die (oder auch nicht)

Ich möchte euch hiermit auf die zweite Blogrelevante Umfrage aufmerksam machen, in der ich euch um Mithilfe bitte.
Momentan ist sehr viel bei mir los und ich habe auch schon ein paar Ideen, was ich schreiben könnte, aber weiß nicht, ob euch die Themen/Ideen interessieren oder welche Reihenfolge ich dabei einhalten soll.
Die ganze Sache läuft eine Woche und ich bin gespannt, wie stark ihr euch daran beteiligt und womit ich mich (oder wer anders sich) als nächstes beschäftigen darf.

Dienstag, 5. Februar 2013

Eine alte Freundschaft blüht auf

Seit ein paar Wochen erlebe ich es wieder mitten im Leben zu stehen, wie ich es kenne.
Ich habe täglich Besuch von Freunden, mit denen wir Filme gucken, essen und unterwegs sind.
Es ist ein sehr schönes Gefühl. Auch wenn die Privatsphäre ein wenig darunter leidet, kann ich sagen, dass es sich lohnt. Es tut mir gut wieder sehr viel mit Arthur zu unternehmen, da wir schon in unserer Jugendzeit viel Unfug angestellt und uns Ärger eingehandelt haben. Diese Zeiten sind jedoch vorbei.
Wir wurden erwachsen, reifer und dennoch ist die Verbindung und der Humor geblieben. Es ist schön zu wissen, dass Freundschaften nach all diesen Jahren noch bestehen können und trotz verlorenen Kontakts wieder aufleben können.
Es geht sogar soweit, dass er bei uns in die WG ziehen wird und das bedarf bei mir ein riesiges Stück Vertrauen, da ich ihn somit in den engsten Kreis meiner Ängste lasse und er alles mir erleben darf.
Bei anderen wäre es mir zu unangenehm und ich würde mich verstellen oder einen Vorwand finden um das Zusammenziehen zu verhindern.
Ich bin momentan sehr glücklich obwohl sie Symptome zur Zeit etwas an Intensität zunehmen.
Besonders mein Hals und mein Magen machen wieder im Zusammenspiel einige Probleme... Aber dazu die Tage mehr.

Dienstag, 29. Januar 2013

Der innere Kampf

Das wohl schlimmste Gefühl in meinem Leben.
Doch wie genau kann ich es erklären? Das ist eine sehr gute Frage. 
Es ist ein innerlicher Kampf zwischen Dr.Jekyll & Mr. Hyde. 
Während ich versuche die Situation unter Kontrolle zu halten und alles möglichst realistisch zu sehen, gibt es auch diese brutale Kreatur in mir, die versucht die Kontrolle über mich zu gewinnen und mich manipuliert. 
Es fängt mit kleinen Lügen an, die mir beginnen Angst zu machen. Wie der Gedanke 
"Wenn dir jetzt was passiert kann dir niemand helfen oder die Hilfe kommt zu spät".
Dies ist die erste kleine Saat von vielen Setzlingen der Angst. 
Mit diesem kleinen Anfang ist der Grundstein gesetzt und das Gefängnis der Angst baut sich schnell und wirkungsvoll auf.
Es werden viele Szenarien in den Raum geworfen, die mir Angst machen könnten. Vom Erbrechen bis hin zum Verkrampfen der Halsmuskulator und dem Erstickungstod.
Das Herz rast schnell, was dazu führt, dass dem Körper eine Notsituation vorgespielt wird.
Adrenalin wird im Überfluss produziert und ich fange an zu schwitzen und schnell und oberflächlich zu atmen.
Doch was genau passiert Gefühlstechnisch in mir?
Ich steigere mich in die Gedanken immer mehr hinein und lasse mich aus der Realität ziehen. Ich habe keinen klaren Gedanken mehr für das was ist, sondern nur noch für das, was sein könnte. Ich werde leicht apathisch und lebe in den katastrophisierenden Gedanken und denke dabei, was dabei alles schief gehen könnte und niemand helfen kann.
Mein Gliedmaßen werden taub und fangen an zu kribbeln (Sauerstoffüberschuss) und ich werde orientierungslos. Ich kann nichts genau fokussieren, da ich nur nach einem Ausweg suche. Alles was einen Fluchtweg bieten könnte. Alle Optionen und Notausgänge werden vorbereitet. 
An diesem Punkt habe ich beinahe den kompletten Realitätsverlust erreicht und ich bin verzweifelt. Meist fange ich da an, mich mit dem Tod zu befassen und ob ich alles darauf vorbereitet habe oder ob ich alles griffbereit für das Krankenhaus habe, sollte was passieren.
Es ist schon eher eine Kunst nicht den Verstand zu verlieren, da dieser Kampf um die Kontrolle bereits direkt nach dem Aufstehen beginnt und in jeder kleinen Situation herausgefordert wird. 
Sei es ein Glas Cola bei dem Inder der hinter der nächste Ecke ist oder das Spazieren in einer Nebenstraße.