Mittwoch, 16. Januar 2013
Momentane Lage
Montag, 7. Januar 2013
Burzeltag
Wie einige von euch vielleicht schon mitbekommen hatte/habe ich heute Geburtstag.
Ich habe diesen Tag aus Kindheitserinnerungen schöner im Kopf als er eigentlich ist.
Als Kind ist es DER Tag im Jahr, doch als Erwachsener ist es beinahe ein Tag wie jeder andere, an dem man einfach ein paar Geschenke bekommt. So wie Weihnachten ohne den Dekokram.
Das beste Geburtstagsgeschenk bekomme ich jährlich. Mein engster Freundeskreis kommt für einige Tage vorbei und wir haben meist bis zu eine Woche uneingeschränkten Spaß.
Es ist schön, sich für ein paar Tage wieder normal zu fühlen.
Eine Gruppe die aufeinander achtet, sich auf den Sack geht und dennoch fest zusammen gehört. Auch wenn der ein oder andere nicht kommen kann ist er fester Bestandteil dieser Gruppe.
Dieses Jahr haben wir uns als Event einen Besuch in der Paintballhalle in Sennelager gegönnt. Sowas muss man einfach einmal im Leben gemacht haben!
Bevor wir die "Kampf"halle betreten durften mussten wir die Handys ablegen, damit die nicht beschädigt werden oder sie uns weh tun können. Für mich natürlich alles andere als leicht... In einem feuchten, dunklen Raum ohne Handy, ohne auch nur ein bisschen die Umgebung zu kennen war im ersten Moment sehr schrecklich! Aber als es dann Ernst wurde, verschwand die Angst urplötzlich und ich war erfüllt mit Euphorie, Adrenalin und Glücklichkeit.
Es war einfach ein sehr schönes Erlebnis.
Die Tage vergingen, der Muskelkater nahm ab und die blauen Flecken verblassten und ehe ich mich umsehen konnte, waren alle 8 Mann, die mein Zimmer belegten schon verschwunden.
Diese Ruhe, dieser Platz und die Zweisamkeit waren wieder Alltag und es war beinahe ungewohnt.
Die Woche, in der meine Freunde mich belagerten, war fast Angstfrei. Ich war dahingehend sehr kontrolliert und habe alles unterdrückt, was auch nur das geringste mit Angst zu tun hatte. FEHLER!
Da ich die Angst unterdrückte und nicht auslebte, konnte sie nicht abnehmen. Sie wurde eher runtergepusht und verdrängt. Aber nur weil man etwas nicht sieht, heißt es nicht, dass es nicht da ist.
Mit der Ruhe kam auch die Angst. Jedes kleine bisschen hat sich in mir aufgestaut, bis es dann schlussendlich überlaufen musste. Und gestern war es dann auch so weit.
Eine Panik wie ich sie schon lange nicht mehr hatte kam auf. Ich war davon so erschrocken, dass ich alles vergessen habe, was ich lernte.
Ich war der Situation ausgeliefert und es ging mir sehr schlecht. So schlecht, dass es bis heute Abend anhielt...
Samstag, 29. Dezember 2012
2012
Kurz darauf kam auch schon mein Geburtstag, der an sich eigentlich der Hammer war, wenn ich einige Aspekte (oder meinen Tresen) betrachte.
Doch mein Geburtstag verging und der Alltag beginnt wieder.
Die Panikattacken wurden schlimmer, mein Magen meinte in mir zu rebellieren und sämtliche Mahlzeiten zu verderben. Ich war schlichtweg unzufrieden.
Es gab kaum etwas, das mir Freude bereitete oder mich auch irgendwie glücklich stimmen konnte.
Wenn es mal minimal bergauf ging, ging es doppelt so tief zurück. Unzufrieden mit mir, meinem Umfeld, meiner Beziehung zu dem Zeitpunkt und einfach mit meinem ganzen Leben.
Ich kann nicht gerade behaupten, dass die erste Hälfte von 2012 zu meinem Vorteil verlief.
Doch dann kam die Wende.
Ich trennte mich von meiner damaligen Freundin, verbrachte viel Zeit mit meiner Familie und einem Freund aus Uelzen, der für einige Zeit bei mir war (liebe Grüße an dieser Stelle). Ich wurde von Zeit zu Zeit immer zufriedener und fand meinen inneren Frieden.
Ich musste mich nicht mehr verstellen, weil ich niemanden gute Laune oder sonstiges heucheln musste.
Angstübungen, wurden freiwillig angegangen, die teilweise gut funktionierten obwohl es Zwischenfälle gab, ich habe Kontakt mit meinem Vater aufgenommen und habe eine neue Beziehung begonnen, die bis jetzt sehr gut läuft und wir bald den nächsten Schritt angehen wollen. Zusammenziehen.
Das bedeutet natürlich für mich: Aus dem Elternhaus raus und weit wegziehen.
Doch da ich unter 25 bin, keinen Job habe und meine Eltern für mich aufkommen müssen ist das nicht so ganz einfach. Aber das könnt ihr hier ja auch mal ganz genau nachlesen.
Ich weiß zwar immernoch nicht genau, wie ich das ganze finanziell schaffen soll, aber irgendwie klappt es hoffentlich.
Momentan bin ich sehr optimistisch eingestimmt und das liegt unter anderem daran, dass ich sehr viele alte Freunde aus meiner Kindheit/Jugend wieder finde und wir viel Zeit miteinander verbringen.
Was mich dennoch ein wenig in Unruhe bringt ist, dass die Stiefschwester meiner Freundin auch vor kurzem anfing den Angstzuständen und Panikattacken zu erliegen. Und da frage ich mich, soll ich ihr aktive Hilfe anbieten? Soll ich sie einfach per Facebook anschreiben und ständig meinen Blog zuschmeißen und meine Handynummer hinterlassen? Aus unbekannten Gründen fühle ich mich verantwortlich meine Erkenntnisse, Erfahrungen und meine Erlebnisse weiterzugeben. Ich habe mich aber dazu entschieden ihr ohne weiteren Kommentar einen kleinen Zettel mit der Blog-Adresse zu geben. Ich hoffe sie findet es ein wenig Interessant und verfolgt es oder kann ein paar nützliche Dinge mitnehmen. (Dazu kommt demnächst ein Post, der gerade ein wenig in Bearbeitung steckt)
Da der geplante Weltuntergang am 21.12. scheinbar ausgefallen ist, ist nun jeder im Silvesterwahn. Für mich relativ unverständlich. Theoretisch ein Tag wie jeder andere. Wenn da nicht die unangenehmen Fakten wären, dass dort die meisten Verletzungen stattfinden, das Handynetz jedes Jahr zusammenbricht, die Straßen blockiert sind und überall Betrunkene und halbstarke Jugendliche rumlaufen.
Für mich als Angstpatient der Horror.
Seit dem Anfang meiner Erkrankung bin ich das erste mal nicht zu Hause bei meinen Eltern und ich bin sehr nervös. Alleine bei dem Gedanken an diese Nacht bekomme ich jetzt schon Gänsehaut und es schnürt mir leicht die Kehle zu. Ich fühle mich nicht sicher.
Es fällt mir nicht leicht den Jahresübergang hier zu verbringen aber ich will es tun um mich von dem krankhaften Sicherheitsfeld zu entfernen, was mich die letzten Jahre gefesselt hat.
Das einzige was mir an Silvester gefällt, ist der Gedanke, dass ich es dann 12 Monate nicht mehr ertragen muss und dass dieses nervenaufreibende Jahr ein Ende findet. Ganz Klischeehaft, habe ich einen einzigen Vorsatz für 2013. Ich werde mir ein Glas auf das Nachtschränkchen stellen, in das ich kleine Zettel mit positiven Erlebnissen schmeißen werde um mich am Ende des Jahres besser an das positive des Jahres erinnern zu können.
Ich freue mich auf das kommende Jahr, denn ich denke, dass meine Zeit endlich gekommen ist...
Dienstag, 18. Dezember 2012
Klinikzeit Part 2
Da ich mein 18. Lebensjahr erreicht hatte war, nach eigener Aussage, die KJP nicht mehr für mich zuständig.
Dieses mal befand ich mich dann in der "normalen" Klinik für Erwachsene.
Ich war vorerst sehr skeptisch, weil ich dachte, dass die meisten Patienten vom Alter her meine Eltern sein könnten und ich so keinen Anschluss finden könnte und ich so eine sehr anstrengende und einsame Zeit vor mich habe.
Alles Unfug.
Ich kam auf ein Dreibettzimmer mit 2 anderen jungen "Männern" in ungefähr meinem Alter.
Besser hätte es nicht sein können. Wir haben uns super verstanden, Unfug getrieben und uns gegenseitig gestützt.
Es war ein großes Klinikgelände, was mich sehr einschüchterte, denn es war schon eine Angstübung an sich, dieses Gelände zu erkunden und es "für sich zu gewinnen" und sich dort wohl zu fühlen.
Ich hatte am ersten Tag direkt ein Gespräch mit meiner Therapeutin, die sich von mir erklären ließ, wie meine letzten Monate aussahen und warum ich nach ca 4 Monaten Aufenthalt in der KJP kaum Fortschritte gemacht habe.
Sie war entsetzt und erklärte mir, wie man es eigentlich hätte angehen müssen und fing auch direkt mit mir an.
Anfangs haben wir die Angstübungen zu zweit gemacht, damit ich ein gewisses Gefühl dafür bekomme, wie ich mit Angstsituationen, körperlichen Symptomen und mit meinen eigenen Gefühlen umgehen muss.
Außerdem diente das gemeinsame auch dem Zweck das Patienten-Therapeuten Verhältnis/Vertrauen zu stärken.
Wir fingen langsam an mit "einfachen" Übungen wie zum Beispiel Fahrstuhl fahren etc und steigerten uns langsam.
Auch das Pflegerpersonal war sehr nett, zuvorkommend und vertrauenswürdig.
Es war einfach so angenehm dort zu sein, Freiheiten zu haben und einen sogenannten Wochenplan (Wie nen Stundenplan in der Schule) zu bekommen und Tagesroutine zu gewinnen.
Das Umfeld, die Mitpatienten und die Therapie haben mich gestärkt. Sogar so sehr, dass ich anderen mit ähnlichen Problemen helfen konnte. Auch förderlich war die "Gruppentherapie", in der die Patienten die Themen selbst bestimmen und versuchen sich selbst und gegenseitig mit Tipps zur Seite zu stehen.
Das Prinzip "Eine Hand wäscht die andere" ist produktiv gewesen.
In diesen 6 Wochen war ich so motiviert, dass es sehr gut lief. Ich habe mit Freude an Angstübungen teilgenommen und sie selbst bestimmen können und auch gerne mal länger gemacht als eigentlich abgesprochen.
Leider waren die Abendstunden nicht die spannendsten, weswegen ich mich nach Hobbies ausschauen halten musste. Ich habe aus "Verzweiflung" sogar ein ganzes Buch gelesen und häkeln gelernt.
Mal ein schönerer Zeitvertreib als nur vorm PC zu sitzen (und sowas schreibe ich online...-.-).
Ich konnte wieder normal essen, trinken, busfahren und einkaufen. Zumindest für meine Verhältnisse.
Es war zwar nicht Angstfrei aber es war nicht mehr alles automatisch mit Aggressionen, Panik und Pessimismus gefüllt.
Es ging mir ein ganzes Jahr sehr gut.
Und dann kam der Einbruch.
Ich habe mich entschlossen meinen Realschulabschluss auf der Abendschule (Volkshochschule) in Wuppertal nachzuholen, was ein Jahr harte Arbeit bedeutete.
Und wie das dann auch so ist, war eine Klassen-/Kursfahrt geplant. Ziel: Paris...
Eine Stadt in einem Land, in dem ich die Sprache nicht spreche, verstehe oder auch nur irgendetwas weiß.
Das hat mich stark zurückgeworfen. ich verfiel in alte Verhaltensmuster.
Ich habe in den drei Tagen nur getrunken, weil ich wieder fürchterliche Angst hatte mich zu übergeben und dann hilflos im unbekannten Gebiet zu sein...
Mit dem einen "Sicherheitsverhalten" (Selbstschutz von Angstpatienten um den Worst Case vorzubereiten oder Panik zu verhindern) erschien wieder mein ganzes Verhaltensmuster.
Mit der Fahrt nach Paris nahm ich die Einfahrt in den Teufelskreis der Angst und war nicht mehr in der Lage mich selbstständig daraus zu befördern.
Also hieß es erneut Klinik. Dieses mal präventiv um nicht wieder völlig der Angst zu erliegen.
Dieses mal war der Aufenthalt nicht so angenehm wie beim ersten Mal.
Lag wahrscheinlich unter anderem auch an zu hohen Erwartungshaltungen aber auch an der Art und Weise der Station.
Meine Therapeutin war nicht mehr da und ich musste mich mit einer in der Ausbildung befindlichen Psychologin begnügen.
Jedoch wusste sie nicht ganz so viel über Angst und Panik und gab mir deswegen nur Papiermaterial wie ich mit Ängsten umgehen soll etc. Alles alte Geschichten, schon gesehen, schon gehört, schon erlebt.
Ich fühlte mich nicht sehr wohl. Es gab niemanden (bis auf eine Person...) der mir dort Halt oder Sicherheit geben konnte.
Von jedem Personalmitglied hörte ich den Satz "schon wieder hier?".
Ich habe ja auch "nur" ein Jahr ohne Hilfe ausgehalten <.<
Das Team wurde gröber und ging nicht mehr so intensiv auf die Patienten ein, wie im Jahr davor.
Einmal hatte ich nach dem Essen eine Panikattacke mit ganz neuen Symptomen, weswegen ich nur noch mehr Angst hatte und ich beinahe vollkommenen Realitätsverlust erlitt und in so einer Situation wurde ich mit den Worten "Sie kennen sich doch so gut mit angst aus, das schaffen Sie schon." weggeschickt und mir wurde gesagt, ich solle doch mal runter gehen und den Kräutergarten umgraben. WAS ZUR HÖLLE???
Das war für mich der ausschlaggebende Punkt, mich in der Woche darauf selbst zu entlassen.
Ich habe an diesem Punkt sämtliches Vertrauen in Therapie, Kliniken und Therapeuten verloren.
Der altbekannte Zorn und die Wut auf die Welt kamen wieder.
Ich habe mich gegen alles gesträubt, was mir von außerhalb "Hilfe" anbieten wollte.
Ambulante Verhaltenstherapie (0-8-15 Therapie bei Angststörungen) habe ich abgebrochen, Ergotherapie abgelehnt und selbst die Medikamente habe ich verwehrt.
Ich steckte mir eigene Ziele, die ich erreichen wollte und bestimmte das Tempo. Wenn mir jemand Tipps oder Vorschläge von außen geben wollte, gab es zu 90% eine Diskussion deswegen.
Ich schotterte mich ab und fühlte mich einsam. Ich wollte Hilfe aber nichts konnte man mir recht machen. Ich war ein lebendes Paradoxon.
Aber irgendwann lernte ich damit umzugehen und ließ mich dazu überreden wenigstens wieder die Medikamente zu nehmen.
Mein eigenes Fazit:
Ich kann Kliniken und Therapie nicht leiden und werde sowas auch nicht mehr beanspruchen, aber ich denke, dass es eine sehr gute Lösung für Menschen in großer Not und Verzweiflung sen kann und auch in Anspruch genommen werden sollte. Leider ist das aber nicht meine Lösung.
"Die Klinik ist für mich zwar kein schöner Ort an dem ich immer sein möchte aber sie ist eine rettende Insel" (Bella Aschoff www.bella-luna-tic.blogspot.de)
Dienstag, 11. Dezember 2012
Klinikzeit Part 1
Man hat zu schnell versucht mich im voraus zu diagnostizieren und hat mich nach Schema "F" behandelt.
Am Anfang hieß es, ich hätte eine normale Agoraphobie inklusive Panikstörung.
Nur komisch, dass die therapeutischen Mittel bei mir nicht so fruchteten wie es die 0-8-15 Behandlung erwartete.
So gingen die ersten Monate mit Schikane, Einsamkeit, Zorn und Konfrontation mit mir selbst um.
Ich habe gelernt zu misstrauen und Wut in mir handeln zu lassen.
Ich war nicht zufrieden mit mir, meiner Umgebung und meinem Leben. Suizidale Gedanken wurden mir unterstellt und wurden mit der Zeit immer attraktiver, da man mich für das "Versagen" einer Angstübung mit Isolation bestrafte.
Ich musste teilweise 6mal am Tag eine Strecke von 1.5km laufen um im Aldi eine Packung Kaffee für das Schwesternzimmer zu holen. Wenn ich mich schikaniert gefühlt habe und mich weigern wollte drohte man mir mit dem Rauswurf aus der Klinik und erwähnte im gleichen Atemzug, dass das meine eigene Chance wäre Gesund zu werden.
Während der Angstübungen musste ich eine Art Protokoll ausfüllen. Die sogenannte "Angstkurve".
Das Prinzip ist relativ einfach. Ich habe eine Tabelle mit % und Zeitangabe und muss von einer Skala von 0-100 minütlich in 10er Schritten die höhe meiner Momentanen Angsteinstufung einzeichnen, sodass später ein Kurvendiagramm entsteht.
hier die grafische Darstellung:
Sinn der Angstkurve ist es, dass der Patient, in dem Fall ich, ein besseres Verständnis für den Verlauf der Angst bekommt und sieht, wann die Angstübung vorbei ist.
Die Aufgabe lautet in jedem Fall, die Situation erst dann zu verlassen, wenn die Angst geringer ist als am Anfang.
Die Grafik stellt eine übliche und "optimale" Angskurve dar.
Doch teilweise, begannen meine Situationen schon bei 20%, da dies eine Grundanspannung bei mir ist und die Angst auch nie geringer ist. Ich wache auf und habe Angst und fühle mich unsicher. Deswegen gingen die Angstübungen teilweise Stunden, weil die Angst nie unter den Anfangswert sank.
Oft habe ich mich mit meinem Therapeuten und den sogenannten PEDs (Pflege- & Erziehungsdienst) gestritten, weil es nicht zu deren Wünschen verlief. Ich vertraute ihnen weniger und sie mir auch nicht. Es ging soweit, dass ich Fotobeweise machen musste, damit die sehen, dass ich wirklich in den Läden war. Immer schön eine Tageszeitung mit Datum und Schlagzeile...
Wie schon erwähnt musste ich das teilweise 6 mal am Tag machen, wenn mein Therapeut es so wollte. Ich war am Ende meiner Kräfte und hatte zu nichts Kraft. Mein Tagesablauf sah so aus:
6,00Uhr Angstübung: in den angrenzenden Wald stellen und aushalten
7,00Uhr Frühstück und anschließend isolierte Zimmerzeit
8,00Uhr Klinikschule bis 11.30Úhr
11,30Uhr isolierte Zimmerzeit
12,00Uhr Mittagessen und anschließend isolierte Zimmerzeit
12,15Uhr Angstübung: ALDI (Weg hin und zurück je 1,5km)
13,00Uhr Angstübung durfte beendet werden, Rückweg zur Klinik isolierte Zimmerzeit
14,30Uhr Angstübung: Bus fahren (je 20 Minuten hin und zurück)
15,00Uhr isolierte Zimmerzeit
16,00Uhr Zwischenmahlzeit wenn Hunger
16,15Uhr isolierte Zimmerzeit
16,30Uhr Angstübung: In die Caféteria des Hauptgebäudes und aushalten
17,30Uhr Angstübung durfte beendet werden
17,35Uhr isolierte Zimmerzeit
18,00Uhr Abendessen
anschließend gab es 2 Optionen:
Entweder ich habe
a) Alle Angstübungen erfolgreich und zur Zufriedenheit des Teams beendet, dann durfte ich bis 21Uhr (22Uhr am Wochenende) in den Gruppenraum und mit den anderen reden und Fernsehen.
b) Eine oder mehrere Angstübungen sind nicht erfolgreich gewesen (früher abgebrochen) und sind nicht zur Zufriedenheit des Teams verlaufen, dann galt wieder isolierte Zimmerzeit.
Während der isolierten Zimmerzeit musste ich alleine in meinem Zimmer verbringen und durfte nur auf Toilette, wenn ich wirklich dringend musste. Man durfte nicht mit mir reden oder mich beschäftigen. Wenn ich duschen wollte, musste ich mir die "Gruppenzeit" verdienen und dann durfte ich in der Zeit duschen und mich rasieren.
Vorher war es nicht erlaubt.
Zwischendurch hatte ich jedoch spontan noch einmal die Woche "Einzel-Ergo" und Gruppensport.
Ich fühlte mich eher als Häftling anstatt als Patient.
Sobald mein 18.Geburtstag erreicht war, nahm ich mir das recht, selbst entscheiden zu dürfen, packte meine Sachen und bin raus aus der Klinik. Ich war nie glücklicher zu Hause zu sein und kann sagen, dass das mit die schwersten Monate meines Lebens waren...
Mittwoch, 5. Dezember 2012
Deutscher Sozialstaat und soziales Fangnetz..
Ich bin diese Woche wieder in Wuppertal um beim Jobcenter Hartz4 zu beantragen um endgültig von zu Hause ausziehen zu können.
Erst musste ich Montag hin und 2 Stunden warten, damit der Kerl mir sagen kann, dass ich Mittwoch wiederkommen soll.
Dann war ich heute da und habe wieder nur 2 Termine für Montag und Dienstag bekommen. Aber selbstverständlich hat sich das erledigt als der werte Herr mich gerade eben anrief und mir zusicherte, dass ich keine staatlichen Gelder beziehen kann/nicht berechtigt bin, da meine Mutter ein sogenannter "Vollverdiener" ist, weil sie ganztags beschäftigt ist.
Und ohne weiteres darf ich nicht einfach von hier ausziehen. Selbst das muss ich beantragen, den Grund mit ärztlichem Attest hin bringen und dann wird geprüft ob es für das Jobcenter Grund genug ist um wirklich aus dem Elternhaus weg zu ziehen.
Das bedeutet:
Meine Eltern "müssten" für mich aufkommen.
Da meine Mutter aber der Meinung ist, dass sie das alleine nicht kann, bin ich auf meinen Vater im Ausland angewiesen... Ein sehr unangenehmer Gedanke...
Ich frage ungern um Geld. Ihn noch ungerner... Es ist eine schwere Belastung für mich diesen Schritt zu gehen aber ich muss es erstmal tun um meinen Genesungsprozess in Schwung zu bringen.
Ich hoffe, dass wenigstens das klappt.. Wenn mir diese Finanzierung nämlich dann zugesichert ist, kann ich zum 1.2.2013 wie geplant nach Paderborn ziehen und von dort aus nochmal zum Jobcenter gehen und das ganze nochmal attestiert und begründet neu beantragen.
Ich hoffe, dass es dann klappt..
Ich spreche von einer "elterlichen Unterstützung" von circa 2-3 Monaten bis die Anträge alle durch und bewilligt sind. Es ist ja nicht so, dass ich davon mehrere Jahre leben will. Das wäre mir zu unangenehm.
Aber erstmal ist das für mich die einzige Lösung irgendwie auf die Beine zu kommen und mein Leben in den Griff zu bekommen. Es sind "nur" insgesamt 500€ die ich im Monat zum Leben brauche. Auf's Minimum beschränkt und doch zufrieden. Ich will ja kein Luxusleben. Ich will einfach nur irgendein Leben, wo ich nicht ewig auf Mutti angewiesen bin.....
Sonntag, 25. November 2012
Berg- und Talfahrt
Wie eine Achterbahn geht es auf und ab und auf und ab und auf und... Ach ihr wisst schon. Meist lag es daran, dass ich anfing mich auf meinen Lorbeeren auszuruhen und alles nach und nach rückläufig wurde.
Dieses mal ist es anders. Ich bin aktiv, viel unterwegs und oft draußen. Sogar täglich mehrmals.
Ich gehe mit dem hund raus, bin einkaufen und auch wöchentliche Verabredungen. Dennoch werden meine Ängste und Panikattacken wieder mehr und stärker. Ich weiß nicht woran es genau liegt.
Teilweise werden meine Ängste schneller zu Panikattacken, weil ich sehr stark auf Hilfe von "außerhalb" abhängig bin. Also mein Hauptventil ist das Telefonieren. Das funktioniert aber nicht bei jedem.
Nur bei 2 oder 3 Personen. Personen, bei denen ich mich uneingeschränkt sicher fühle. Hauptsächlich ist meine erste Anlaufstelle meine Mutter.
Die hat aber zur Zeit vom Arzt ein sprechverbot ausgesprochen bekommen, da die Stimmbänder entzündet sind und sie sowieso nicht verständlich reden kann. Von der Lautstärke gleicht es dem piepsen einer Maus. Damit fällt Sicherheit weg und wenn ich ehrlich bin, fallen meine "Telefon-Notfallkontakte" auch schon weg. Ich verfüge auch nicht über ausreichend Courage, neues auszuprobieren, da ich dahingehend pessimistisch eingestellt bin und befürchte, es würde nicht helfen.
Demnach habe ich einfach Angst neues auszuprobieren. Ich weiß... Wer nicht wagt, der nicht gewinnt und diesen Unfug aber es ist nunmal nicht so einfach, wenn man sich ausmalt jeden Moment zu ersticken und daran zu sterben und dabei zu experimentieren...
Einige Ängste und Symptome sind mit der Zeit wieder verschwunden aber dafür werden die anderen stärker. Alles konzentriert sich gerade wieder verstärkt auf den Magen und den Hals.
Völlegefühl, Übelkeit, schluckhemmungen und würgereiz...
Wahrscheinlich ist es auch nicht gerade hilfreich, dass der Ex-Spast von meiner Freundin noch in der WG wohnt und uns mehrfach droht uns auf die Fresse zu hauen, uns vom Balkon zu schmeißen, hier Drogen bunkert und einnimmt und voll ausrastet. Die Polizei wurde deswegen schon gerufen aber die haben nur böse mit dem Finger gewackelt und sind gefahren obwohl er auf Bewährung ist... Selbst das mit den Drogen lässt die kalt und wird gekonnt ignoriert... Aber naja. Ich schweife ab. Ich bin gespannt wie es sich die nächsten Tage entwickelt und ob es sich bessert...
