Gestern "durfte" ich in's Mongolische Restaurant.
Ich glaube ich muss nicht erwähnen, dass ich mehr als nervös war.
Ursprünglich war geplant, dass 2 von uns 4 da essen und wir anschließend in's Kino gehen. Wir konnten vom Restaurant auf die Kasse des Kinos schauen und konnten zusehen wie die Schlange immer und immer länger wurde. Nach einigen Überlegungen haben wir uns dann entschieden, dass das Kino ausfällt und wir einfach noch etwas im Restaurant sitzen bleiben.
Aufgrund dieser Entscheidung, habe ich mir vorgenommen auch eine Kleinigkeit zu nehmen.
Teller geschnappt und ran an's Buffet!
Es gab Fleisch, Fleisch und Fleisch mit Soße! Geschmacklich der Himmel auf Erden.
Doch kaum war der Teller alle, meldete sich auch schon meine Angst.
Draußen gegessen. Ich muss noch warten, bis die anderen fertig sind und zahlen muss ich auch noch.
Aber da ich keinen Stress verbreiten wollte, habe ich versucht geduldig wie möglich abzuwarten.
Ich saß also da und musste zusehen, wie sich ein Teller nach dem anderen genommen wurde.
Ich wurde von Minute zu Minute nervöser und mein Magen hat auch gegrummelt ohne Ende.
Ich habe versucht meine nervöse Anspannung mit Blödeleien und Witz abzubauen. Ich nannte unseren asiatischen Kellner Alfredo und habe erzählt, wie man eine Person innerhalb von 6 Wochen aus der Wohnung bekommt (nur mit Unsinn).
Nach einigen Minuten durften wir endlich zahlen und gerade als ich dachte, dass wir gehen können, bietet Alfredo uns auch noch ein Erfrischungsgetränk auf Kosten des Hauses an.
Ich dachte mir:
Schnell runter damit und los gehts nach Hause.
Schonmal versucht nen Glas Maracujasaft auf einen Schluck zu trinken, wenn euch eh schon übel ist?
Kommt beim Magen nicht so gut an.
Ich wurde stark ängstlich, wenn nicht sogar leicht panisch.
Gott sei dank waren wir schnell wieder zu hause und mein Magen hat sich ähnlich schnell beruhigt.
Fazit:
Es ist schön zu beobachten, dass mein Alltag immer normaler wird. Auch wenn noch sehr viel zur Normalität fehlt, bin ich zufrieden so wie es läuft.
Freitag, 17. Mai 2013
Angst Tagebuch#029
Montag, 22. April 2013
Tritt dir selber in den Arsch
Wie zum Beispiel alte Bekannte und Verwandte wieder sehen.
Dies ist mir heute gelungen.
Es ist nun ungefähr 5 Jahre her seitdem ich meine Neffen Jason und Dean (und emotionale Nichte Carina) gesehen habe.
Ich hatte das Bedürfnis sie wieder zu sehen. Ich fand es sehr traurig, dass ich sie lange nicht sehen konnte, da ich in den letzten Jahren zu sehr mit mir selbst beschäftigt war und ich nicht in der Lage war sie unabhängig von meinen Eltern zu besuchen.
Meine Freundin hat sich das Auto ihrer Mama geliehen, wir haben den Hund eingepackt und sind nach Büren gefahren.
Dort habe ich mich ca um 15.00 Uhr mit Angelina getroffen (Mutter der Kinder) und wir sind zur Schule gelaufen und haben dann die beiden Jungs abgeholt und von da aus noch zum Kindergarten um den jüngsten aufzugabeln.
Man hat den kleinen angemerkt, dass sie mich nicht mehr kannten. Aber wer kann es ihnen verübeln? Sie waren damals gerade mal alt genug um zu stehen und zu laufen.
Jason wusste zwar WER ich bin, aber konnte sich nicht an mich erinnern.
Dementsprechend schüchtern fiel auch die Begrüßung beiderseits aus.
Ich wollte ihn ja nicht direkt überfordern, indem ich ihn direkt zu Tode drücke.
Anschließend haben wir uns auf den Weg zum Spielplatz gemacht und mehr oder weniger getobt, gespielt, Tränen getrocknet und das Wetter genossen.
Ganz langsam habe ich mich den kleinen genähert und versucht sie mit Spielen aus der Reserve zu locken und ein wenig gelang es mir.
Der "schwierigste" also hartnäckigste war Jason. Aber da mir im Vorfeld schon gesagt wurde, dass er eh sehr reserviert ist, fand ich es auch gar nicht schlimm.
Das Zurückziehen im sozialen Sinne erinnert mich leicht an mich. Ich hoffe nur, dass es sich bei ihm nicht so entwickelt wie bei mir.
Aber ich denke, wenn sie sich weiter so entwickeln wie bisher, ist alles gut.
Nachdem wir dann ungefähr 3 Stunden an der frischen Luft verbracht haben, sind wir zu Angelina's Schwester gefahren und haben da noch einige Stunden gequatscht und mit den kleinen gespielt.
Es war ein richtig schöner Tag. Ich war gerne draußen, es hat Spaß gemacht und es tat einfach sehr gut alle mal wieder zu sehen.
Samstag, 20. April 2013
Sieger stehen da auf, wo Verlierer liegen bleiben
Ungefähr vor einem Jahr war ich in einer ziemlich unglücklichen Beziehung. Dadurch ging es mir psychisch auch sehr schlecht.
Ich war abhängig, unselbstständig und gefangen in den Teufelskreisen meiner Angst.
Ich konnte nicht essen, wenn ich alleine zu Hause war, ich konnte nicht alleine mit dem Hund vor die Tür und in die Stadt war sowieso unter jeder Voraussetzung eine Tortur.
Doch dann lernte ich meine jetzige Freundin kennen und alles änderte sich.
Wir haben uns fast wöchentlich getroffen. Eigentlich sogar öfter.
Anfangs war es so, dass sie IMMER bei mir in Wuppertal war und nur an 2 Tagen in der Woche wieder nach Paderborn fuhr um ihre Termine wahr zu nehmen.
Nach einigen Monaten traute ich mich sogar bei ihr zu schlafen und aus einer Nacht wurden dann zwei Nächte und dann eine ganze Woche.
Es lief einfach sehr gut und es passierte alles einfach sehr schnell.
Nach kurzer Zeit war bereits das Thema "Zusammen ziehen" aktuell und wir haben uns entschlossen ein paar Monate auf Probe zu versuchen.
Aber es war sehr schnell klar, dass es sehr gut läuft und es funktioniert.
Ich habe von dem Zeitpunkt an dem ich hier hin gekommen bin bis jetzt riesige Fortschritte gemacht.
Ich schaffe es mittlerweile alleine mit dem Hund raus zu gehen und alleine einkaufen zu gehen.
Auch in die Stadt oder ins Einkaufszentrum zu fahren macht mir nichts mehr aus.
Es ist zwar nicht gerade meine Lieblingsbeschäftigung aber ich habe keine zwanghaften Gedanken oder panischen Gefühle mehr bei den Aktivitäten an sich.
Es ist zwar direkt nach dem Essen noch nicht möglich aber ich denke, dass sich das auch nicht ganz normalisieren wird.
Letztes Jahr war ich noch sehr pessimistisch und meines Lebens nicht froh und habe hin und wieder mal überlegt, ob es überhaupt Sinn macht gegen meine Ängste anzukämpfen.
Es war ein ständiges Auf und Ab und wenn es mir mal gut ging, war es klar, dass es sehr bald wieder in das Gegenteil rutscht.
Doch jetzt bin ich sehr zuverlässig, sodass ich denke, dass das Leben auch Spaß machen kann und man am Ball bleiben sollte. Ich habe seit Monaten ein ständiges Level meines Wohlbefindens.
Es geht mir gut, ich bin glücklich und alles was ich in meinem Leben erlebt habe, war es wert es erlebt zu haben, denn es hat mich hierhin geführt.
Wenn es mir am Ende des Jahres weiterhin gut geht und alles glatt läuft, plane ich sogar mir bei dem Netto gegenüber einen kleinen Job zuzulegen. Doch dazu komme ich, wenn es soweit ist.
Montag, 25. März 2013
Darf ich vorstellen...
Wer kennt es nicht. Man trifft auf einen alten Freund und erinnert sich daran, was man früher alles miteinander geteilt hat. Freude, Aufregung, Ängste, Trauer und sogar Liebe.
Doch wie genau kennst du deinen Freund wirklich? Ich denke öfters darüber nach, dass ich nach meinem Umzug nach Wuppertal nur noch wenig Kontakte hatte und darüber sauer war.
Ich fühlte mich im Stich gelassen und einsam. Doch wenn ich genau darüber nachdenke war es abzusehen. Wie gut wusste ich über die Personen bescheid, auf die ich sauer war?
Rückblickend betrachtet waren es viele oberflächliche Freundschaften, die sich in der Schule bildeten.
Und das finde ich Schade. Ich bedauere es, nicht mehr Interesse an bestimmten Personen gezeigt zu haben. Dadurch ist mir viel entgangen und ich habe das Gefühl, dass ich diesen Fehler nicht rückgängig machen kann.
Die Chancen, die ich da hatte, habe ich vertan.
Fragt euch mal selbst, wie gut ihr die Leute kennt, mit denen ihr Zeit verbringt und die ihr glaubt zu kennen. Was wisst ihr wirklich? Mögen sie Sport? Welches Essen essen sie gerne? Was beschäftigt sie im Inneren? Was sind ihre Pläne für die Zukunft? Was ist ihre große Furcht? Denkt darüber nach und ergreift die Möglichkeiten, die ihr habt...
Sonntag, 24. März 2013
Hallöchen
So long
Mittwoch, 20. März 2013
Angehörigen-Post (Wie erlebe ich die Krankheit aus meiner Sicht?) Part 4/4
Nun folgt das Schreiben meiner Mutter, die von Anfang an bis heute dabei war/ist. Sie hat zwar schon einiges schreiben können, hat sich jedoch gewünscht eine Fortsetzung zu veröffentlichen. Wem es gefällt: es kommt noch mehr.
So, auch ich möchte mich zu Mike Erkrankung äußern.
Da ich Mikes Mutter bin und ab der ersten Stunde dabei war kann ich bestimmt Einiges sagen.
Als Mike erkrankte, ging erst mal jeder davon aus, dass er aufgrund der Atemprobleme an Asthma leidet.
Also etliche Untersuchungen und Medikamente wie Cortison etc. Aber es wurde nicht besser. Weitere Medikamente und Untersuchungen. Kein Erfolg. Mike hatte immer öfter Atemnot, hatte Herzrasen, kalter Schweiß am ganzen Körper, die Hände eiskalt und der ganze Körper zittert.
Das sind die körperlichen Symptome. Mike steht Todesängste aus. Ich fühle mich so hilflos. Das kann und darf doch nicht wahr sein. Ist es aber. Hilfe, was ist mit meinem Kind? Bitte, irgendjemand, hilf ihm. BITTE. Aber es kann keiner helfen.
Dann kam der Hausarzt zu dem Schluss, dass Mike keine physische Erkrankung hat, sondern an einer psychischen Erkrankung leidet. Keiner aus seinem Umfeld konnte das glauben und Mike selbst am Wenigsten.
Das konnte sich erst keiner vorstellen. Mike, der immer selbstständig war und auch in vielen Dingen ein aktiver Vorreiter, wurde ein verängstigter Jugendlicher, der nichts mehr allein unternehmen konnte und eine Zeitlang auch kaum sein Zimmer verlassen konnte.
Mike, ein intelligenter und unternehmungslustiger junger Mann, auf einmal alles vorbei. Es gab viele Stunden, in denen ich nicht mehr wusste, was ich machen sollte.
Ich habe mir solche Sorgen gemacht. Wie geht das weiter. Anfangs hatte es für mich einfach Priorität, dass er seinen Schulabschluss schaffen kann. Es wurde uns ja von diversen Ärzten versichert: wir kriegen das schon in den Griff.
Dann war klar, Mike war nicht mehr dazu in der Lage, die Schule zu besuchen. Oh mein Gott, Mike kann die Schule nicht mehr besuchen, wie geht das weiter, er kann keine Ausbildung beginnen. Was soll nur werden? Aber….es ging ihm nicht besser.
Tag und Nacht habe ich mir Gedanken gemacht, was wird nur werden? Wie kann ich meinem Sohn helfen. Verdammt noch mal, ich WILL, dass er ein vernünftiges Leben führen kann. Ängste und Sorgen bestimmten mein Leben, ich habe versucht, mir es nicht anmerken zu lassen, für Mike stark zu sein.
Oft habe ich allein geweint, oft haben wir gemeinsam geweint. Wie geht es weiter. Dann stellte sich die Frage: geht es weiter? Was ist, wenn Mike nicht mehr will? Wahnsinnige Angst, Mike zu verlieren.
Lieber Gott (falls es dich gibt) lass nicht zu, dass Mike sich etwas antut. Er ist Gefangener seiner selbst. Abhängig von Anderen um nur mal vor die Tür zu gehen.
Die kleinsten Fortschritte, die sich zwischendurch einstellten, waren für mich von größter Bedeutung. Juhu, Mike hat es geschafft, eine Stunde in der Schule zu verbleiben. Ich saß vor der Tür. Mir war kalt, ich habe gefroren aber es vor lauter Freude nicht wirklich wahrgenommen.
Manchmal hat Mike es zum JUZ (Jugendzentrum) geschafft. Ich saß im Auto vor der Tür, nur so hatte er die Sicherheit um dort bleiben zu können. Es klappte aber öfter. Und an dieser Stelle möchte ich ein großes Lob an Mikes Freunde aus Westuffeln aussprechen. Ihr seid großartig gewesen.
Besonders Manuel und Markus. Markus, du denkst, du konntest nicht helfen. Wenn du wüsstest, wie du geholfen hat.
Du wurdest Mikes Vertrauter und bester Freund. Du kannst so stolz auf dich sein, du bist selbstlos immer für Mike da gewesen. Ich habe zuvor noch nie jemanden gekannt, der ein so guter Freund ist. Ich danke dir.
Ich danke auch Marcel, der versucht hat, immer für Mike da zu sein. Zwar hat er einige Zeit an Mike Krankheit gezweifelt, aber auch er war großartig.
Der Umzug nach Wuppertal. War das der richtige Schritt. Was war davor und danach richtig und was war falsch. Ich frage mich andauernd: Verdammt, warum ist Mike krank geworden? Warum er? Ich würde alles, was in meiner Macht steht unternehmen, damit er gesund wird.
Jascha hat auch verzweifelt versucht, Mike nach dem Umzug zu unterstützen, fand aber auch nicht so ganz den richtigen Weg. Er hat sich so sehr bemüht. Auch an ihn von meiner Seite ein großes Danke schön.
Es folgten gute und schlechte Aufenthalte in der Psychiatrie. Die schlechten sind leider nachhaltig in Mikes Gedächtnis verblieben und er verschränkt sich vor jeder weiteren Therapie. Leider, denke ich.
An seiner Seite war lange Zeit seine Freundin Melanie. Ich mag sie sehr gern aber zum Schluss taten die beiden sich gegenseitig nicht mehr gut.
Tiefen lösten Höhen ab und diese wiederum lösten Tiefen ab. Ich erinnere mich noch daran, als Mike es das erste Mal geschafft hat, allein bei Markus zu übernachten. Ich habe vor Freude geheult.
Jeder noch zu kleine Schritt löste bei mir ein übermäßiges Glücksgefühl aus, weil Mike wieder einen kleinen Schritt nach vorn geschafft hat und es ihm gut ging.
Die jetzige Freundin. Ein guter Schritt in die richtige Richtung. Sie versteht die Krankheit und verhätschelt ihn nicht, wo es nicht angebracht ist. Sie versteht es, ihn zu puschen und ihm zu helfen.
Ich bin so stolz auf euch zwei. Und sie kann Socken richtig zusammenlegen *grins* . Ich hab dich sehr gern.
Anfangs, als Mike nach Paderborn gegangen ist, brauchte er noch viel Unterstützung durch mich. Dieser Bedarf besteht immer weniger. Mike nabelt sich ab!!!
Es freut mich so sehr ABER, eigentlich fällt es mir auch schwer, denn wer lässt sein Kind gern los.
Ich kann sicherlich noch viel, viel mehr schreiben. Da wird aber sicher jeder die Lust am Lesen verlieren. Mein sehnlichster Wunsch zum Schluss: Mike soll ein glückliches, lebenswertes Leben führen können.
Deine Mama, die dich über alles liebt.
